Heike Sistig: Warum meine Figuren „heimliche Freunde“ sind


Ich habe meiner ersten Ausstellung den Titel „Heimliche Freunde“ gegeben. Er enstammt einem Zitat einer Freundin, die einmal zu mir gesagt hat: „Du zeichnest Dir überall, wo Du bist, kleine heimliche Freunde und Komplizen, die zu Dir halten. So bist Du nie allein und immer innerlich gestärkt.“

Es stimmt, ich zeichne überall und fast immer. Ohne geht es nicht. So entstehen viele Bilder nebenbei, in völlig unterschiedlichen Situationen und Zusammenhängen. Ich profitiere dabei von der spontanen Geste, der Leichtigkeit des Augenblicks.

Um dies zu verstärken, lasse ich mich oft von gefundenen Papierschnipseln, Plakatabrissen oder alten Fotos leiten. Sie sind für mich eine ideale Projektionsfläche für den spontanen Ausdruck. Die Figuren „hüpfen“ dann praktisch direkt ins Bild hinein.

Nicht selten fließt die jeweilige Stimmung des Moments mit ein, was mir sehr Recht ist. Mir geht es in meinen Bildern immer um den Ausdruck einer Befindlichkeit. Man soll spüren können, was die Figur im Bild gerade denkt oder fühlt. Es macht mir Spaß, mir auszudenken, was diesem „Freund“ wohl gerade passiert ist, woran er vielleicht denkt oder was er dem Betrachter mitteilen möchte.

Dabei spielt auch das Umfeld der Figur eine Rolle. Wie reagiert die Figur auf den Raum? In welchem (Spannungs-)Verhältnis stehen Figur und Raum? Warum befindet sich die Figur genau an dieser Stelle? Wie verändert sich die Beziehung, wenn man die Lage der Figur im Raum verändern würde? Was würde die Figur dazu sagen?

So erzählen die Bilder für mich immer eine Geschichte. Und ich finde es faszinierend, wenn mir andere Betrachter ihre eigene Geschichte dazu erzählen.

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Heike Sistig